Studentische Projekte @ Universität Köln / ZHdK Zurich

Die folgenden 3 Projekte entstanden im WS 2010/11  im Rahmen des Seminars “Cultural Hacking” am Institut für Kunst und Kunsttheorie an der Universität Köln unter der Leitung von Prof. Torsten Meyer, Johannes M. Hedinger und der Mitarbeit von  Daniel Berg und Konstanze Schütze.

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Gruppe 1: Half Beatz

Steffi Henk, Eike Paulsen, Raphaela Ackers, Daniel Berg

Idee

Hierbei handelt es sich um eine erfundene Musik(richtung), die wir mit Hilfe der Musiksoftware Reason entwickelt haben. Wie der Name bereits vermuten lässt, geht es um „halbe“ Beats, genau genommen um einen 4/4-Takt, bei dem das letzte Viertel aus einer Pause besteht. Die an Drum’n'Bass angelehnte Musikrichtung stellt das Herzstück unseres Cultural Hacks dar. Wir haben am 07.01.11 im Römerpark in Köln zusammen mit Freunden eine Party organisiert, welche unter dem Motto „Half Beatz trifft Drum’n'Bass“ veranstaltet wurde. Die selbstproduzierten Musikstücke wurde auf der Party von den DJ`s aufgelegt.Um die Musik bekannt zu machen und für die Party zu werben, haben wir u.a. einen Wikipediaeintrag und einen Blog über „Half Beatz“ erstellt, eine StudiVZ- sowie eine Facebook-Gruppe gegründet, Videos bei Youtube hochgeladen, die Party auf Prinz.de eingetragen, Flyer verteilt und Poster in Köln aufgehängt.

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Gruppe 2: “Andere Grüße aus Köln”

Jochen Stueckrath, Philipp Stolterfoht

Projektbeschreibung

Ausgangslage: „Postkartenrealität“
Die vermeintliche Stadt, die uns in den gewohnten Grußpostkarten präsentiert wird, besteht aus ordentlich gefegten Plätzen, geschichtsträchtigen Bauwerken, idyllischen und urigen Gässchen, bei gutem Wetter und in satten Farben. Fokussiert und thematisiert wird ausschließlich „das Schöne“.
Außerdem lässt sich eine Tendenz zur Nostalgie beobachten, die sich auch auf die Aktualität der Motive auswirkt. Es wird versucht eine „zeitlose Schönheit“ zu konstruieren, die sich schon seit Jahrzehnten so wenig verändert hat, dass die Postkarten nur durch Unterschiede im Druck oder der Motive im Hintergrund den einzelnen Dekaden zu zuordnen sind (Fahrzeugmodelle, Kleidung und Mode von Passanten, etc.). Mit der urbanen Wirklichkeit Kölns hat das nichts zutun.
Dies liegt in der kulturellen Rolle der Postkarte begründet, die weniger in der Darstellung von Wirklichkeit, als viel mehr in der Produktion und Reproduktion von Klischees besteht. Den Produzenten und Nutzern von herkömmlichen Postkarten, geht es um ein universell gültiges Bild bzw. eine Idee von Köln, die verschickt und ohne großes Hintergrundwissen von Ortsfremden verstanden werden kann.
Idee

Der Hack „installiert einen „Virus“, eine Störung [...] im System, die die Codestrukturen dieses Systems sichtbar macht und in mimetischer Weise fortführt“ (Meyer 2010, S. 434), dazu werden Stil und Design bereits bestehender Postkarten kopiert und die Motive durch Bilder ersetzt, die eine andere Realität Kölns zeigen.
Absicht des Hacks ist es damit, Sehgewohnheiten bzw. Sehungewohnheiten bewusst zu machen und unreflektiert reproduzierte Gefühle, wie sie beispielsweise in Kitsch und Lokalpatriotismus ihren Ausdruck finden, auf ironische Weise zu entlarven.
Umsetzung und Methoden
Der erste Schritt der Umsetzung besteht darin, sich die Codes herkömmlicher Postkarten bewusst zu machen, hierzu gehören u.a. die Rolle der Postkarte als Medium, das Design, Beschaffenheit des Materials, Komposition und Wahl der Motive, Verkaufsorte und –umstände, Zielgruppe, etc.
Durch den praktischen Umgang (Bildbearbeitung, Layout) mit dem Medium und seinen Codes, im zweiten Schritt, werden Recodierungsspielräume begreifbar und nutzbar. So können diese Codes in einem mimetischen Sinne verwendet werden, um sich in Form eines „als ob“ bzw. „so wie“ glaubwürdig der Zielgruppe der gewöhnlichen Postkarte zu nähern.
Um den Sehgewohnheiten der Rezipienten entgegen zukommen und eine höchst mögliche Verständlichkeit und Massentauglichkeit bei der Auswahl der Motive zu erreichen, haben wir uns bewusst für die Wahl von Bildmaterial aus dem Internet entschieden.    Da    diese    Bilder    bereits    durch    Suchmaschinen    und Veröffentlichungen im Internet, von einer breiten Masse von Rezipienten ausgewählt, vorsortiert und mit Begriffen verknüpft sind, lässt sich eine größere Kontrolle über die Bildaussage erreichen. Zugleich unterstützt dies den allgemein plakativ gehaltenen Stil einer herkömmlichen Grußpostkarte.
Der dritte Schritt des Projektverlaufs, besteht im Verteilen der so entstandenen Postkarten in den Verkaufsständern der touristischen Geschenkartikelläden in der Kölner Innenstadt. Die Zielgruppe, die sich so definiert, umfasst demnach in erster Linie Touristen und deren Angehörige.
Botschaft

Das Ziel dieses Hacks ist weder in einer Kritik, noch in einer Liebeserklärung an die Stadt zu finden. Es soll vielmehr die Kommunikation über Köln als eine Kommunikation über eine Idee bzw. eine mögliche Realität von Köln entlarvt und diese gleichzeitig durch das Anbieten von Alternativen bereichert werden. So wird die emotionale Bandbreite von Urlaubsgrüßen aus unserer „schönen“ Stadt erweitert.

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Gruppe 3: “Reden Verboten”

LP2

Idee

Wir sind in unserer Umwelt umgeben von Verbotsschildern, sei es in Bussen, Bahnen, öffentlichen Einrichtungen oder auch Spielplätzen. Sie geben uns vor, was wir zu unterlassen haben. Verbotsschilder dienen als Repräsentant für ein Verbot. Ihre Bedeutung ist kulturell festgelegt. Die Menschen, die in einer Kultur aufwachsen, in der Verbotsschilder präsent sind, haben es gelernt, diese zu lesen und ihre Anweisungen zu befolgen. Die Erscheinung von Verbotsschildern scheint mittlerweile allgegenwärtig zu sein. Das, was verboten werden soll, ufert immer weiter aus. Verboten wird in Abhängigkeit von der jeweiligen Umgebung: Das Rauchen, Essen, Trinken, Telefonieren, Hund ausführen, Ball spielen, das Tragen von offenen Haaren […] es könnte an dieser Stelle fortgefahren werden, doch davon wird vorerst abgesehen. Es wird bereits hier deutlich, was mit den Verbotsschildern dargestellt werden soll; die Handhabung des Verbots wird durch die Ausuferung eben dieses ins Lächerliche geführt. Mit unserem Hack weisen wir auf die „Relevanz“ der Verbotsschilder hin. Um es auf den Punkt zu bringen, es wird eine Verbotskultur dargestellt, die ad absurdum geführt wird. Der nötige Anstoß hierfür bietet das eigene konzipierte Verbotsschild der Ruhe. Das Sprechverbot wird an Orte platziert, die kennzeichnend für Kommunikation oder nicht-vorhandener Kommunikation sind, wie beispielsweise an Toiletten, Telefonzellen, Bahnhöfen, Discotheken, wie auch in der Kirche an der Kabine des Beichtstuhls und weiteren Orten. Die Lächerlichkeit der bereits vorhandenen Verbotsschilder wird auf diese Weise, wenn auch in zugespitzter Form, vor Augen geführt. Wir erhoffen uns, eben durch diese Platzierung der Verbotsschilder, beim Betrachter ein Gefühl der Irritation auszulösen. Die Irritation kann ein Auslöser sein, um über die Relevanz von Verbotsschildern sowie im Allgemeinen über die Verbotskultur nachzudenken.

Wirkung

Nachdem die Verbotsschilder an den oben genannten Orten platziert wurden, beobachteten wir die Reaktionen, die auf den Aushang erfolgten. Die Reaktionen, die wir wahrnahmen sind unterschiedlich ausgefallen. Manche Passanten schauten sich das Verbotsschild lediglich etwas verwirrt an. Andere wiederum entfernten ein Verbotsschild und nahmen dies wahrscheinlich für den Eigenbehalt mit. Letzteres entdeckten wir Kommentare auf den Verbotsschildern. Es kann festgehalten werden, dass die Verbotsschilder beim Betrachter Irritation auslösten. Wir sind gespannt auf weitere Reaktionen…

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Die folgenden 4 Projekte entstanden im SS 2010  im Rahmen des Seminars “Cultural Hacking” am Institut für Kunst und Kunsttheorie an der Universität Köln unter der Leitung von Prof. Torsten Meyer, Johannes M. Hedinger und der Mitarbeit von  Daniel Berg und Annemarie Hahn.

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Gruppe 1: Ein Stück Köln für einen Euro

Daniel Berg, Marc Sohns, Katya Fehring, Jutta Baumeister



Idee
Die Stadt Köln besitzt Grundstücke die achtlos brachliegen. Offenbar fehlen hier Mittel und Wege diese Flächen so zu gestalten, dass sie die Lebensqualität der Menschen Kölns steigern. Wieso also nicht die Verantwortlichkeit in die Hände der Bürgerinnen und Bürger legen? Die Aktion ruft dazu auf passende Grundstücke zu finden, deren Neugestaltung zu entwerfen und stellt eine Verpachtung der Stadt für einen symbolischen Euro in 99 Jahren in Aussicht.

Kampagne
Foreneinträge kündigen die Aktion im Netz vor dem eigentlichen Start bereits an. Dann rufen 5000 Flyer zur Teilnahme an der Aktion auf. Text und Layout antizipieren die typische Ausdrucksweise der Stadt Köln. Verteilt werden die Flyer im öffentlichen Raum, in Stadtämtern, im Nahverkehr und über Zeitungen, die als Unterstützer der Aktion ebenfalls vereinnahmt werden. Der Flyer verweist auf die Webseite www.ein-stück-köln.de, wo alle nötigen Details zur Teilnahme an der Ausschreibung zu erfahren sind. Auch sollen auf der Webseite gefakte „erste Entwürfe“ und ein repräsentativer Mann vom Grünflächenamt die potentiellen Interessenten zur Teilnahme motivieren.

Wirkung
Teilnahmen an der Ausschreibung werden auf der Webseite www.ein-stück-köln.de unter dem Link „Entwürfe“ gepostet.

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Gruppe 2: Ausser Betrieb

Seacat

Vorbereitung / Idee
Um einen möglichst hohen Grad der Authentizität leisten und somit einen gute Durchführung gewähren zu können, wurden mehrere kleine Utensilien entworfen und hergestellt. Außerdem wandten sich die Cultural Hacker an eine Schauspielerin und Moderatorin, die den Hack mit Sicherheit sprachlich und performativ kompetent ausführen würde. Für den Hack wurden zwei Kameras und eine Profi-Tonangel bereitgehalten. Die gute Vorbereitung sollte den Cultural Hack möglichst „idiotensicher“ gestalten.
Zunächst erstellten die Cultural Hacker mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogramms einen Ausweis für die Schauspielerin, die in die Rolle einer KVB-Kontrolleurin (in „Zivil“ – so wie es seit Neustem üblich ist) schlüpfte. Sie trug den zurecht geschnittenen Ausdruck in einer Ausweishülle mit Clip an ihrer Strickjacke. Danach wurden – ebenfalls mit Hilfe des Bildbearbeitungsprogramms – die Beförderungsgeld-Strafzettel entworfen. Zur Absicherung stand in einer kleinen Schrift folgende Klausel auf jedem Zettel: Die ist ein Cultural Hack der HF Köln. Sie haben keine rechtlichen Folgen zu befürchten! Wir danken Ihnen für Ihre Mitarbeit.
Die KVB-Kontrolleurin, die für ihren Ausweis auf den Namen Ulrike Schmidt getauft wurde, war nun voll ausgerüstet. Nach einer kurzen Beratung erachteten die Cultural Hacker handschriftliche „Außer Betrieb“-Zettel als am authentischen. Diese wurden später mit Tesafilm auf die Automaten angebracht. Danach wurden mit ähnlicher Verfahrensweise Sat 1- Aufkleber für die Kameras und die Tonangel gestaltet. Diese wurden gut sichtbar auf das Equipment aufgeklebt. Die Cultural Hacker achteten ferner darauf, auch auf dem Kugelschreiber, mit dem die Zettel ausgefüllt würden, einen selbst entworfenen KVB-Aufkleber anzubringen.

Durchführung
Bei dem ersten Durchgang geriet den Cultural Hackern eine junge Frau „ins Netz“. Sie zog sich nach Betrachten des Zettels an der Straßenbahnhaltestelle keinen Fahrausweis. Bei der Kontrolle gab sie sich zunächst unsicher und etwas eingeschüchtert. Dann regte sie sich auf, schien sich aber (wegen der Kameras?) darum zu bemühen, dabei noch freundlich zu wirken. Ihr schien das „Getummel“ unangenehm zu sein, insbesondere, als die Cultural Hacker sich mit ihr durch die Straßenbahn zum nächsten Automaten bewegten, worauf die Frau bestand, um ihre Unschuld zu beweisen. Als die Kontrolleurin nicht nachgab, wurde die Frau zunehmend betroffener. Im Interview danach offenbarte sie, dass sie sich fälschlicherweise als Lügnerin betrachtet fühlte. Interessant war, dass sie ihre Erinnerung selber umschrieb, z.B. behauptete sie, dass sie die Tasten des Automaten gedrückt und der Automat nicht reagiert habe.

Das zweite „Opfer“ konnten die Cultural Hacker gleich in einer Straßenbahn einfangen. Es probierte ebenfalls erst gar nicht, ob der Automat wirklich defekt sei. Der junge Mann war bei der Kontrolle gleichsam betroffen und verlegen. Außerdem war er auffallend nervös (wippte mit den Beinen etc.). Er gab sich sehr stur, doch als die Kontrolleurin mit Polizeigewalt drohte, resignierte er. Im Interview gab er sich pazifistisch und verbalisierte sogar seine Befangenheit. Es schien für ihn  beinahe schlimmer zu sein, dass mehrere Augenpaare (und Kameralinsen) auf ihm ruhten, als die  – vermeintliche – Zahlung einer Strafe.

Bei der dritten „Episode“ wurden drei Teenager – zwei Mädchen und ein Junge – von den Hackern abgefangen. Kurz nachdem sie den „Außer Betrieb“-Zettel an einem Automaten an der Straßenbahnhaltestelle entdeckten, kam ihre Straßenbahn. Ihr Huschen in die Straßenbahn war möglicherweise eine Schnellschusshandlung. Die Teenager fühlen sich sichtlich ertappt und eingeschüchtert von der Kontrolleurin. Während der Kontrolle gab sich das eine Mädchen als Wortführerin, aber ihr war die Situation sichtlich unangenehm (Verlegenheitslachen etc.). Das andere Mädchen hielt sich schüchtern im Hintergrund und sagte nicht viel. Trotzdem gaben sich die Mädchen stark. Besonders der Junge kokettierte mit seiner Furchtlosigkeit. Er schaukelte sich mit seinen Äußerungen hoch und die Mädchen ließen sich mitziehen. Der Junge schreckte allerdings selbst nicht zurück, als mit der Polizei gedroht wurde. Die Mädchen versuchten ihn zu beruhigen, aber schließlich eskalierte die Situation. Der Junge bekam einen Wutausbruch, warf das Klemmbrett auf den Boden, schubste die Kontrolleurin und lief aus der Bahn, die gerade an einer Haltestelle hielt. Im Interview wurde noch einmal deutlich, wie sehr die Teenager voreinander ihren Mut zeigen wollten, indem sie lachten und/oder sich gleichgültig gaben. Das stille Mädchen gab letztlich zu, dass  ihr die Geldbuße gar nicht egal wäre.

Fazit
Der Cultural Hack „Außer Betrieb“ wurde also dreimal an einem Tag ausgeführt. Es war geplant, den Hack so oft durchzuführen, bis mehrere interessante Episoden entstehen würden. Da jede der Ausführungen sogleich – auch noch sehr guten – Erfolg erzielte, konnten die Cultural Hacker nach  den eben beschriebenen drei Ausführungen zufrieden nach Hause gehen. Hoffentlich konnten sie in den Köpfen der Personen, die von ihnen kontrolliert wurden, etwas bewirken.

Cultural Hack from Seacat on Vimeo.

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Gruppe 3: Stadtführung (Fake-Reiseführer)

Hannah Borggrefe, Ricarda Stedron, Inga Wangerow

Einführung
Wenn Menschen reisen wollen sie meist dem Alltag entfliehen. Um Interesse an der fremden Kultur, der neuen Stadt, dem großen  Unbekannten  zu befriedigen in die Fremde. Um aber bei den Diaabenden zu Hause nicht wie Kulturbanausen dazustehen, wollen sie noch ein wenig Kultur mit einbauen. Die bekanntesten, wichtigsten Bauwerke und Geschichtsstätten lernt man als Tourist am schnellsten und mit dem geringsten Aufwand durch die informativen und lehrreichen Vorträge eines Reiseführers kennen. Diese empfangen als ortskundige Personen die Gäste ihrer Stadt. Mit ihrem fundierten Wissen begleiten und führen sie die Reiselustigen durch die Straßen und Gässchen. Durch seine lebhaften Schilderungen lässt der Reiseführer vergangene Zeiten aufleben. Hierbei stellt der durchschnittliche Tourist nicht die unzähligen Jahreszahlen, phantastischen Sagen  und hiermit die Autorität des Reiseleiters in Frage. Vielmehr unterwirft er sich ihr. Ein Reiseleiter ist eine etablierte in der Gesellschaft etablierte Person, deren Worten geglaubt wird. Er wird nicht hinterfragt. Als Tourist unterwirft man sich der Führung, fügt sich den Anweisungen. Als Tourist unterwirft man sich der Führung, da es einfacher und bequemer ist, als mühsam den Weg mittels Stadtkarte zu finden und im „Lonely Planet“ die zugehörige Geschichte zu lesen. Unsere Faulheit und Bequemlichkeit sorgt dafür, dass wir gehörtes nicht hinterfragen, sondern interessiert mit dem Kopf nicken und begeistert dem Reiseführer ein Trinkgeld am Schluss in die Hand drücken. Seine Autorität setzt sich zusammen aus einer Mischung aus Fachwissen (wie etwa ein Arzt oder Lehrer sie besitzt) und den gesellschaftlichen Konventionen. Der Reiseleiter gewinnt erst die Autorität durch die Zuhörer die sie ihm zuerkennen. Reisende richten sich in ihrem Denken an gesellschaftliche Vereinbarungen.
Der Mensch als denkendes Wesen sollte sich wie ein mündiges Wesen auch als Tourist in fremden Umgebung Verhalten. Dies wollten wir untersuchen. Ist ein Mensch so mündig Falschinformationen zu hinterfragen oder wird er auch hierbei nett nicken und ein Foto schießen? Folgt er der warmen Sicherheit einer geleiteten Führung oder unterbricht er verabschiedet sich und sucht eigene Wege? Wie weit kann ein Reiseführer sein Machtbefugnis ausüben und seine „Schäfchen“ folgen blind seiner Obrigkeit?

Idee
Um festzustellen wie viel Touristen wirklich glauben und ab welchem Zeitpunkt sie sagen „Ey, Mädchen! Du verzählst Blödsinn!“, wollten wir also eine eigene ganz besondere Stadtführung anbieten: die Geschichten, die wir erzählen, sind aus anderen Städten gestohlen, frei erfunden und somit wird die Stadtgeschichte der Stadt Köln verfälscht. Wir erzählten Geschichten, die für Außenstehende oft plausibel klingen, aber frei erfunden sind: im Dom gab es nie einen Handel zwischen Bischof und Teufel, einen Kölner Schriftstellern namens Jan Buchwald mag es gegeben haben, allerdings ist er nie zum Idol aller Homosexuellen geworden und auch das kölsche Wort „Mümmes“ heißt in Wirklichkeit Popel und nicht Prost.

Fazit
Leider reagierten keine wirklichen Touristen auf unsere Flyer, die wir in den meisten Jugendherbergen in Köln für unsere kostenlose Stadtführung verteilten. Somit waren nur unsere Kursteilnehmer sowie einige Freunde und Familienangehörige anwesend. Da diese jedoch nur zum Teil eingewiesen waren, folgten sie interessiert bis zu dem Zeitpunkt wo der Urkölner Teilnehmer beim kölschen Wort Mümmes hellhörig wurde. Ab diesem Zeitpunkt folgte er den Ausführungen mit kritischer Miene.
Als Fazit lässt sich sagen, dass es viel schwieriger ist, sich glaubwürdig klingende Lügen auszudenken, als die Wahrheit zu erzählen. Mit der Schwierigkeit wirkliche Touristen zu erreichen, hätten wir nicht gerechnet, aber anscheinend gehen diese nur auf die Seite der Stadt Köln auf, der wir leider keine Werbung machen konnten. Die Autorität selbst einer jungen Fremdenführerin wird zunächst nicht angezweifelt. Somit konnten wir also feststellen, dass wir mit unseren Vermutungen Recht hatten. Interessant wäre es gewesen, wie viel „richtige“ Touristen geglaubt hätten.

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Gruppe 4: Comfort station- a stationed comfort

My Tien Nguyen, Jule Jenders, Katharina




Die Idee
Das gesellschaftliche Leben heute ist von einer Vielzahl sichtbaren und unsichtbaren Normen durchdrungen. Öffentliche Einrichtungen sind ein gutes Beispiel dafür; Normierungen dienen der sachlichen Funktionalität und erscheinen dadurch sehr nüchtern und anonym.
Mitgestalten dieser Öffentlichkeit wird gar nicht erst zur Sprache gebracht und ist im System unerwünscht. Mit der so geschaffenen Allgemeingültigkeit soll ein Platz für alle entstehen, an dem sich durch seine absolute Unverbindlichkeit das Individuum jedoch nicht wiederfindet.
Durch die individuelle Gestaltung öffentlicher Einrichtungen würde zum einen aufgedeckt, dass die Normierung der Öffentlichkeit keine Individualität zulassen kann und gleichzeitig wird eben diese Norm gebrochen.

Vorgeschichte
Öffentliche Toiletten sind eine Schnittstelle der öffentlichen Normierung: wirklich jeder ist potentieller Nutzer und einzig die Funktion steht im Vordergrund. Eine Privatsphäre wird durch dünne Trennwände nur scheinbar aufrechterhalten: Wie eine brüchige, dünne Membran schließt sie den Nutzer temporär von der Außenwelt ab. Vandalismus ist nicht selten der Versuch ein persönliches Zeichen zu setzen, da die Anonymität dazu einlädt, sein eigenes Handeln nicht zu rechtfertigen oder zu hinterfragen (so kommt es zu übermäßig verschmutzten Toiletten). Konsequenzen sind in dieser Situation ohnehin nicht zu erwarten.
Unsere Idee ist es, eine höchst individuelle Insel in der öffentlichen Toilettenkabine zu schaffen, in der die Funktion nicht mehr im Vordergrund steht. Der Nutzer, dessen vorrangiges Ziel die Bedürfnisbefriedigung ist, wird so zu dem Besucher eines individuellen Raumes. Diese Raumgestaltung entfällt jeder üblichen Norm öffentlicher Einrichtungen. Einerseits ist das Klo durch die Zugänglichkeit immer noch ein Platz für alle, andererseits erweckt. die eigenwillige Gestaltung den Eindruck eines sehr persönlichen Zimmers von XY, welches ästhetisch sicher nicht alle oder vielleicht sogar nur die wenigsten anspricht. Evtl. könnte das grelle Pink für harte Zeitgenossen nicht sehr einladend wirken. Durch das Eindringen in jenen Ort wird der Nutzer zum Gast und Einbrecher zugleich, er erhält einen scheinbaren Doppelstatus- scheinbar, weil sein Voyeurismus letztlich nur auf einem Fake beruht.

Fazit
Der Nutzer soll dazu geleitet werden, die Normierung als Entindividualisierung wahrzunehmen und zu hinterfragen. Überlegungen zum Einbringen der Individualität und Mitgestaltung im öffentlichen Raum sollen angeregt werden. Durch die Aufhebung des Allgemeinen sieht sich der Nutzer mit seinem Verhalten und den Konsequenzen konfrontiert- was verändert sich im Umgang mit diesem öffentlich-individuellem Raum?

P.S.: Nach mehreren Wochen hat sich die Gestaltung des Klos verselbstständigt: Es wurden Dinge hinzugefügt, auf gehangen, verschoben, um dekoriert, die Pinnwand wurde für Kommentare genutzt, die Pflanze lebt noch und jemand hat mit Bleistift “PINK STINKT” auf die Tapete geschrieben. Bleistift statt Edding als ein halbherziger, zaghafter Versuch seinen Unmut über die stereotype Gender-Farbe Pink auszudrücken? Schreckt der persönlich gestaltete Raum potentielle Vandalisten so ab? Dafür spricht, dass das Klo nur von wenigen Stammgästen (s. Pinnwand) besucht wird, die es u.a. aktiv mitgestalten, also sozusagen als Hackerkomplizen. Die meisten bevorzugen laut Beobachtung die anderen Kabinen, wenn sie es sich aussuchen können. Die auferlegte Rolle des Gasts/ Einbrechers wird scheinbar mehr oder weniger unbewusst wahrgenommen und als unangenehm empfunden. Ein ebenso auffälliger Punkt ist, dass die Toilette sauber bleibt…- sogar ungewöhnlich sauber und ordentlich für ein öffentliches Klo. Wie lange es wohl so bleibt? Und wie wird der Raum weiterhin mitgestaltet? To be continued…

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Die folgenden Projekte sind im September 2009 und Februar 2010 im Z-Modul »Cultural Hacking. Kulturelle Innovation durch Détournement, Bricollage und Experiment« an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK unter der Leitung von Johannes M. Hedinger und Adrian Heuberger entstanden. Sie zeugen vom sensiblen Umgang mit den Hacking-Praktiken, die entweder durch den Kurs vermittelt werden konnten oder bereits davor bei den Studierenden schon ausgebildet waren. Die Techniken des Détournements, der Bricollage und der Verfremdung flossen in Projekte, deren Bandbreite von Plakatverfremdungen, Überbetonung von Tabuisiertem bis hin zur Reflexion über den Kurs selber reichen. Kurze Texte, Bilder und Videolinks laden untenstehend dazu ein, Einsicht in die vielschichtigen Ideenwelt der verschiedenen Arbeiten zu nehmen.

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TRAM

Gruppe 1B: Rouven Bühlmann, Inbal Sharon, Linda Zimmermann

Idee
Blaue ZVV-Kleber mit expliziten Platzreservierungsanordnungen für Personen einer gesellschaftlichen Randgruppe sollen Tramfahrer der Linie 4 und 13 in Zürich aufmerksam werden lassen. Die Plätze fordern auf, sie für übergewichtige, und anorektische Fahrgäste sowie für deutsche Staatsbürger, Steuerhinterzieher und HIV-positive Menschen freizuhalten. Die Beschriftungen in Öffentlichen Verkehrsmitteln, welche die Reisenden darauf hinweisen, dass einzelne Sitzplätze für Leute mit einer Behinderung freizuhalten sind, dienen uns als Ausgangslage.
Wir übernehmen die Ästhetik und die bürokratische Ausdrucksweise der ZVV um eigene beschriftete Kleber zu fertigen, welche wir an den Fensterscheiben, seitlich des Sitzplatzes anbringen werden. Unterstützend dazu kreierten wir einen Flyer, der vom VBZ in Zusammenarbeit mit dem imaginären „Amt für Integration Zürich“ entstanden sein soll und die Kampagne glaubhafter darstellen soll. Wir verteilten die Flyer zufällig in den Trams, um den Eindruck von gelesenen und hingeworfenen Infoblättern zu erwecken.

Vorgeschichte
Als Ort des Geschehens, erschien uns das Tram von Anfang an als sehr geeignet. Ein viel verbreitetes Transportmittel, welches tagtäglich von unzähligen, verschiedensten Menschen genutzt wird. Wir überlegten uns, die Thematik der Klassentrennung, welche vor allem im Zug weitverbreitet ist (1.und 2.Klasse), aufs Tram zu übertragen.Unsere Idee ist eine fiktive Klassentrennungen nach willkürlichen Kriterien in ÖVs zu erschaffen. Beispielsweise ein bestimmter Sitzplatz nach Einkommen oder Vorreservierung der Sitzplätze usw.

Fazit
Nach 5 Stunden waren etliche Trams in Zürich mit den neuen ZVV Klebern und Flyern versehen. Die Reaktionen waren weitgehend zurückhaltend. Einige Fahrgäste liessen die reservierten Plätze tatsächlich frei und setzten auf den Platz nebenan. Eine ältere Dame lachte auf, nachdem sie Flyer und Kleber gelesen hatte. Die meisten aber ignorierten schlicht und einfach die Botschaften oder liessen sich nichts anmerken. Diese (Nicht-)Reaktion ist zwar ernüchternd, aber teilweise verständlich, da die Reizüberflutung im öffentlichen Raum dazu führt, dass selbst sehr auffällige Anschläge übersehen werden.

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RECLAIM THE FIELDS

Gruppe 2B: Michael Bekk, Martin Feigel, Elias Gross

Hack des Verkehrssystems und des öffentlichen Raumes der Stadt Zürich

Ziel: Es werden an verschiedenen Orten in der Stadt Zürich neue Parkfelder geschaffen. Diese können an völligen absurden wie auch an möglichen Standorten entstehen. Der Platz für Autos wird erweitert, für andere Teilnehmer des öffentlichen Raums wird er reduziert.

Ziel ist durch den Eingriff ins Verkehrssystem dieses zu untersuchen. Wie reagieren die Teilnehmer im Verkehrssystem auf die neuen Parkplätze? Werden sie als solche erkannt, wie schnell verschwinden sie wieder, wie reagiert die Polizei und evtl. die Medien auf das anbringen von neuen Parkfeldern,? Haben die verschiedenen Pendler sowie die Bewohner der Stadt Freude an unseren neuen Parkfeldern? Ist der Parkfeld der letzte Freiraum für Autos? Wie wirkt die standardisierte Grösse eines Parkfeldes an einem Ort, wo es offensichtlich nicht hingehört?

Während der Aktion erweiterte sich die Untersuchung des Verkehrssystem auf das System Stadt Zürich als Ganzes. Es wurden über Nacht an verschiedene Orten in der Stadt Zürich mit Klebeband gefakte Parkplätze angebracht. Die Aktion wurde einmal von der Polizei gestört, worauf die Strategie die Parkplätze heimlich anzubringen geändert wurde. Dies machte auf Grund der massiven Polizeipräsenz keinen Sinn mehr. Das Klebeband wurde nun in aller Öffentlichkeit sowie offensichtlich und offensiv gefilmt angebracht. Dies hatte keine weiteren Reaktion der Polizei zur Folge. Ein Parkplatz an einer Bushaltestelle wurde mittels WEB-Cam die ganze Nacht gefilmt. Er bliebt bis ca. 10:30 Uhr morgens so gut wie unberührt Dann wurde er von einem Passanten zerstört, das Klebeband wurde aber liegengelassen. Alle anderen Parkfelder sind im Verlaufe des Morgens verschwunden. Mit der Zeit ergab sich ebenfalls folgende Einsicht. Das Anbringen fiktiver Parkfelder lohnt sich nicht nur um das Verkehrssystem zu hinterfragen. Durch die standadisierte Grösse und der damit normativen Konsequenz stellen die neuen Parkfelder ganz natürlich Fragen nach Raum in der Stadt.

Fazit:
-Der öffentliche Raum in der Stadt Zürich ist duchdefiniert.
-Der öffentliche Raum in der Stadt Zürich wird massiv überwacht. (3 Stunden 15 Streifenwagen, also ca. alle 12 Minuten).
-Anbringen mit offensivem Filmen und selbstverständlichen Auftreten in aller Öffentlichkeit wird toleriert
-Parkfelder werden nicht vom öffentlichen Dienst oder der Polizei sondern von Privatpersonen entfernt; Bevölkerung repariert Fehler im System selber.
-Es hat eigentlich keine sinnvollen Platz für Autos in der Stadt Zürich mehr. (bzw. wir haben auch nach langem Suchen keine gefunden)

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THE SHOW MUST GO ON

Gruppe 3B: Aurélie Mermod, Joshua Schenkel

The project «show must go on» simulates the death of a living person.
Early in the morning a memorial scene was set up with funeral candles, framed pictures, a collage of the deceased, a picture of his crashed car, personal letters, cards, children’s drawings and flowers near the Pestalozzi-Wiese at the Bahnhofstrasse. Only by playing with stereotypes and often seen mourning scenarios it was tried to convince people passing by even if the death is never mentioned explicitly.
The fake deceased was Carl Hirschmann: a rich, young, jetsetter and club owner from Zürich who’s questinable activities have been in the media in the past few months. This caused the public opinion of him to be quite low. The project plays with the feelings of compassion that death brings about, whether a person is hated, admired or unknown. It was important to choose a local person to make the inhabitants of Zürich feel closely connected to the death.
The project was intended to have a huge impact on a mass audience through its location (the most crowded street of Zürich), its celebrity victim and it’s theme of death and pity.
We planned to publish the ‘death’ online on daily newspapers by using iPhone applications. From this point the information should have spread by itself through word-of-mouth and social-networks. It could even have ended with a TV interview of Hischmann himself, who would have refuted his death.
Instead, the macabre installation was unfortunately cleaned up after a few hours.
It would’ve been interesting to know why this happened and how the clarification and cleaning process took its way. Was Hirschmann called? What was his reaction ? Although the strategy seemed to fail, 3 groups of people stopped by during the set-up of the installation and condoled with us, which proved, how credible the setup took effect and that the delicate theme of death manages to exclude all possibility of doubt even on this rather cheesy installation.
The installation was meant as a critique on how information spreads and how new systems of communication are developing in contemporary society. It’s not the work of independant journalists but of a fast system of communication where everyone can access and participate. Unfortunately the project was disrupted too quickly and it was difficult to analyse the planned outcomes of the hack.

Short clip of the final installation only:

Picture gallery of the preparation process:

http://gallery.me.com/joshuaschenkel/100026

Full presentation video for download (including breakup):

http://files.me.com/joshuaschenkel/4yaagk.mov

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DER LANGSCHNABLER

Gruppe 4B: Christoph Gerber, Mario Hipleh, Martina Regli

Wir hacken den Zoo und seine Besucher, in dem wir ein Fantasietier erfinden, den Halbseidenen Langschnabler.

Der Mensch verlässt sich hierzulande auf die Infotafeln. Wenns auf einer professionell aussehenden Tafel steht, muss der Inhalt stimmen. Die knapp gehaltenen Informationstafeln vermitteln einen Überblick über das Tier, seinen Lebensraum und sein Verhalten. Dank diesen Tafeln können Eltern ihren wissbegierigen Kindern alle Fragen beantworten.
Unser Hack spielt auch auf die natürliche Neugierde an. Immer wieder ertappen wir uns dabei, wie wir vor einem Gehege stehen und das Tier darin nicht finden.
Wir kopieren den Stil der Infokästen im Zürcher Zoo und werden den Inhalt durch unsere eigene Illustration und den erfundenen Text austauschen. Zusätzlich werden das Leitsystem und die Übersichtskarte manipuliert. Das Aussengehege des Schuhschnabels (erstaunlicherweise ein real existierendes Tier), welches zur Zeit leer steht ist sehr geeignet.
Einerseits mimt Mario den Zoowärter und gibt den Zoobesuchern Auskunft über den halbseidenen Langschnabler, der sich leider gerade versteckt. Andererseits ziehen wir durch gespieltes Interesse eine Publikumsschar herbei. Das professionelle Auftreten garantiert uns ein interessiertes, Fragen stellendes und suchendes Publikum.
Wir wollen den Zoo als Institution ansprechen sowie die Zoobesuchenden. Hauptsächlich sind es Familien und Schulen, die an diesem Morgen im Zoo sind. Kinder sind begeisterungsfähig und wollen von den Erwachsenen etwas über die Tiere in Erfahrung bringen.
Der Hack ist weder bösartig noch politisch gemeint. Er spielt mit der Leichtgläubigkeit der heutigen Konsumenten, die aufgrund der Informationsflut nicht mehr in der Lage sind, Quellen kritisch zu hinterfragen.
Um das Vorgehen und die Reaktion zu dokumentieren, halten wir den Hack mit professioneller Hilfe filmisch fest.
Mögliche Erweiterungen des Projekts wären:
- eine Notiz an die zwei Gratiszeitungen „Blick am Abend“ und „20minuten“ zu verschicken. (ein Beispiel wurde von uns bereits aufgesetzt)
- Wäre es möglich, um ein Fantasietier einen ebenso grossen Hype zu schaffen wie bei „Knut“?
Nach unseren Erfahrungen müsste beides möglich sein.

zoo_doku_19.2.10

______________________________________________________________________________________MICHELLE

MICHELLE

Gruppe 1A: Christoph Brandin, Linda Dürst, Melina Duruz, Thomas Reinhard

Bild 1

Modephotographie ohne Kleidung? Oder ein weiteres sehr gelungenes Beispiel aus der Kategorie „Sex Sells“?

Im Original ist eigentlich nichts anstößiges zu sehen. Der Betrachter soll angeregt werden seiner Phantasie freien lauf zu lassen. Durch das Hinzufügen des Indizierbalkens und damit durch das Entfernen eines Bildfragments an einer bestimmten Stelle, wird diese Phantasie in eine Richtung gelenkt, die die „Sinnlichkeit“ des Photos von Helena Christensen deutlich verändert.

Für das, was Sie hinter dem schwarzen Balken sehen, sollten Sie sich jedoch bei Ihrer eigenen Phantasie bedanken.

______________________________________________________________________________________HOLY SHIT!

Gruppe 2A: Sarah Berndt, Oliver Egloff, Andrin Winteler

robbi

Idee

Ein Gegenstand, normalerweise kaum beachtet, wird aus der Dunkelheit hervorgehoben. Mit einer phosphoreszierenden Farbe haben wir einen Robidog am Rande des Uetlibergs angesprüht. Spaziergänger, Joggerinnen, Hündeler und Anwohnerinnen werden gleichermassen auf positive Art und Weise irritiert. Ein Hack ästhetischer Natur in Anknüpfung an die Street Art-Kultur und mit leicht politischem Hintergrund.

Vorgeschichte

Schnell war uns innerhalb der Gruppe klar, dass wir mit einem kleinen Eingriff in den öffentlichen Raum spielen wollen. Keine tiefgründige moralische oder politische Botschaft, vielmehr wollten wir Spass, Freude und ein ästhetisches Erlebnis vermitteln. So kamen wir auf die Idee, einem Tram mit Leuchtfarbe unsichtbare Botschaften aufzumalen, die erst am Abend sichtbar würden. Diesen Plan haben wir jedoch aufgrund der schwierigen Durchführung wieder verworfen. Unsere zweite Idee entwickelten wir auf einem Spaziergang an der Zürcher Bahnhofstrasse: Wir wollten der Hektik vor Ort etwas Gemütliches entgegensetzen, indem wir den Gullis schwarz-weisse Schachbretter aufmalen. Aufgrund der pixelähnlichen Struktur der Kanalisationsdeckel entwickelten wir dann unsere Idee weiter und planten, den Gullis mit Leuchtfarbe Smileys aufzumalen, die dann in der Dunkelheit die Bahnhofstrasse erleuchten würden. Allerdings stiessen wir dabei auf erhebliche technische Schwierigkeiten. Der dunkle Untergrund mindert die Leuchtkraft der phosphoreszierenden Farbe, die starke Beleuchtung der Bahnhofstrasse lässt den Effekt noch zusätzlich verblassen. Eine Durchführung war also nicht möglich. So ist schliesslich „Holy shit!“ entstanden.

Fazit

Mit dem Effekt einer phosphoreszierenden Farbe zu spielen ist eine schöne Idee, die technische Durchführung ist allerdings schwierig. Die Farbe muss sich tagsüber ‚aufladen’, trotzdem behält sie ihre Leuchtkraft höchstens eine Stunde. Ausserdem hängt die Leuchtkraft stark vom Untergrund ab, dieser sollte möglichst hell sein. Obwohl wir eine Sprühdose verwendet haben, ist das Auftragen der Farbe nicht ganz einfach, da sie tagsüber kaum sichtbar ist. Die Farbe ist allerdings gut geeignet, im Zusammenhang mit Street Art weitere Experimente durchzuführen. Sie könnte den traditionellen Graffitis eine zusätzliche Dimension verleihen.

______________________________________________________________________________________PIGGY PIGGY HACK – Die Invasion der Schweinegrippe

Gruppe 3A: Jonas Bayona, Liliane Krauss, Maja Nicolin, Michael Rauch

Bild 12

Idee

Beim Piggyhack ging es darum einen Hack im öffentlichen Raum stattfinden zu lassen. Dabei handelt es sich um ein sehr aktuelles Thema: Die Schweinegrippe. Sie ist momentan in aller Munde und verbreitet seit ca. 4 Monaten in der Bevölkerung Angst und Schrecken. Die Pharmaindustrie reagiert mit der Vermarktung von Medikamenten zur Bekämpfung der Pandemie und arbeitet profitorientiert an der Entwicklung eines Impfstoffes. Die Mundschutze in den Warenhäusern und Apotheken waren in den vergangenen Monaten zeitweilig ausverkauft und sogar die Krankenkasser fordern eine Erhöhung der Prämien auf Grund der Schweinegrippe.

Der PiggyHack zielt darauf ab, auf subtile Art und Weise mit der Angst der Bevölkerung zu spielen und sie so auf die Panikmache und gehypte Angst aufmerksam zu machen. Bei der Aktion wurden in verschiedenen Gebieten in Zürich die Models auf den Plakaten und Litfasssäulen mit Mundschutz-Stickern beklebt. Zu sehen sind diese nun vom Bucheggplatz bis Wiedikon, über Seefeld und Enge, bis hin nach Altstetten.

(Dokfilm folgt)

______________________________________________________________________________________DIS/OBEDIENCE

Gruppe 4A: Oliver Brägger, Nadja Holdener, Kaspar Manz

Bild 15

Ausgangslage

Cultural Hacking ist ein Konzept, das sehr stark von Subversion abhängig ist. Ein Teil der Faszination besteht darin, dass die Akteure aus dem Verborgenen arbeiten, ihre Identitäten verschleiern, ihre Aktionen nicht auf dem Präsentierteller vorstellen, sondern geschickt in den Alltag einbauen und erst nach und nach aufdecken lassen. Nicht zuletzt ist es auch Kunst, das sich dem etablierten Kunst-(Vermarktungs-)System entzieht (dieses also gewissermassen ebenfalls hackt). Doch kann eine solche Kunstform innerhalb der geregelten Grenzen einer Kunsthochschule überhaupt funktionieren? Kann sie überhaupt noch die Sprengkraft entwickeln – oder werden so bloss durch Dozenten abgesegnete Möchtegern-Protestchen generiert? Interessanter wäre es offensichtlich, wirklich subversiv zu arbeiten, und sich damit die Technik wirklich anzueignen. Die Idee, den Kurs an sich zu hacken, war geboren. Das System «Hochschule» wird unterlaufen, in dem gegen die traditionellen Spielregeln verstossen wird. Statt, wie die Dozenten dies von den Studierenden erwarten, die Aufgabe getreu zu lösen, wird sie nicht, bzw. in anderer Weise gelöst.

Der Hack

Wir bedienen uns dabei dem Fake, indem wir vorgeben, an einem Hack zu arbeiten – dieser hätte die im Museum für Gestaltung stattfindende Fotoausstellung mit Bildern von Michel Comte aufgegriffen und gehackt – sei dies nun mit Überklebungen oder, in einer späteren Phase, mit gefälschten Text-Tafeln. Indem wir diesen Hack aber nicht ausführen, verstossen wir scheinbar gegen die Auflagen des Kurses. Wir unterlaufen damit die stillschweigend vorausgesetzte Regelung zwischen Dozierenden und Studierenden: Die einen stellen Aufgaben, die anderen erfüllen diese, ohne sie zu hinterfragen. Wir verstossen damit gegen das System und die vorherrschenden Machtverhältnisse, indem wir uns ihnen entziehen und durch unsere Verweigerung drohen, dieses zu destabilisieren.

dis/obedience from Kaspar Manz on Vimeo.

______________________________________________________________________________________Die Die Projekte aus dem Seminar “Cultural Hacking”, am MAS CMS Cultural Media Studies an der ZHdK vom Jan 2009 findest du hier.



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